Effekte einer Tanzintervention auf kognitive Fähigkeiten und Körperempfinden von Kindern

English Version

B. Züger & B. Studer

Abstract

Zusammenfassung
Viel Forschung wird betrieben zu Förderungsmöglichkeiten kognitiver Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Wachsende Evidenz weist auf die Wichtigkeit von Bewegung, insbesondere von Tanz. Da tänzerische Aktivitäten zu Musik nicht nur die Motorik, sondern auch Emotionen und viele Aspekte der Persönlichkeit involvieren, wird die Bedeutung des Tanzes auf der individuellen, kognitiven, affektiven und sozialen Ebene gesehen. Die vorliegende Studie wollte die Wirkung einer zeitlich begrenzten, professionell angeleiteten Tanzintervention auf ausgewählte Fähigkeiten verschiedener Ebenen untersuchen. Einundfünfzig Schulkinder wurden rekrutiert und einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Während die Kinder der Interventionsgruppe zweimal wöchentlich von einer erfahrenen Tanztherapeutin in theoriegeleiteten Tanzeinheiten angeleitet wurden, verfolgte die Kontrollgruppe den regulären Schulunterricht. Resultate zeigten signifikante Verbesserungen der Interventionsgruppe auf der individuellen Ebene einerseits und auf der kognitiven Ebene andererseits. Die Verbesserung des Körperkonzepts, speziell der Selbstakzeptanz, sowie des räumlichen Vorstellungsvermögens hoben sich bedeutsam von jener der Kontrollgruppe ab und können auf ressourcenfördernde Prozesse der Tanzintervention zurückgeführt werden. Der Artikel endet mit einer Diskussion des Potentials und Implementierungsmöglichkeiten von Tanzinterventionen neben andere kreativen Aktivitäten im Schulprogramm, welche das (körperliche) Selbstkonzept und die kognitive Entwicklung von Kindern fördern und unterstützen können.
Schlüsselwörter: Tanzintervention, Körperkonzept, kognitive Fähigkeiten

1. Hypothese

Eine Tanzintervention fördert das räumliche Vorstellungsvermögen, die Problemlösefähigkeit (Mass für Fluide Intelligenz) sowie das körperliche Selbstkonzept von Kindern.

2. Studiendesign

Quasi-experimentelles Design; die Intervention wurde im natürlichen Schulalltag integriert. Einteilung der Klassen in 2 Gruppen:

  • Experimentalgruppe: Absolvieren einer vierwöchigen Tanzintervention, welche von einer erfahrenen Tanztherapeutin durchgeführt wird.
  • Kontrollgruppe: Keine zusätzlichen Unterrichtseinheiten.


Um mögliche Effekte der Tanzintervention zu messen, wurde vor und nach den Interventionen eine Batterie von Tests durchgeführt.

3. Testbatterie

Die Testbatterie für die Pre- & Postevaluation umfasste folgende Aufgaben:

    Fluide Intelligenz: Raven’s Standard Progressive Matrices (SPM)
    Frankfurter Körperkonzeptskala (FKKS)
    Gesundheit und körperliches Befinden (SGKB)
    Körperliche Effizienz (SKEF)
    Selbstakzeptanz des Körpers (SSAK)
    Vorstellungsvermögen: Intelligenz-Struktur-Test (IST 70)

4. Intervention

Es wurden acht Bewegungsinterventionseinheiten à 45 Minuten zusammengestellt. Diese wurden zweimal pro Woche während vier Wochen mit der Schulklasse durchgeführt.

Die Bewegungsinterventionen beinhalteten Aufgaben zur Körperwahrnehmung in Bezug auf Körperteile und Atem- beobachtung, zur Bewegung im Raum wie vorwärts, rückwärts, hoch, tief und seitlich, sowie zu Bewegungseigenschaften wie kräftig, zart, schnell und langsam. Ein weiterer Bereich der Interventionen bezog sich auf die Ausführung von Bewegung alleine und in der Gruppe, was Gruppenempfinden und Selbstbezug ansprach. Den Kindern wurden keine Bewegungen vorgemacht, sie mussten diese aus der eigenen Vorstellung selber finden oder in Gruppen miteinander erarbeiten.

Ausführlichen Erläuterungen zu den Interventionen hier

5. Zusammenfassung der Resultate

Die Kinder der „Tanzinterventions-Gruppe“ verbesserten sich bedeutend stärker im räumlichen Vorstellungsvermögen, in der Problemlösefähigkeit sowie in dem eigenen Körperkonzept im Vergleich zur Kontrollgruppe.

5.1. Verbesserung von kognitiven Fähigkeiten

Räumliche Vorstellungsvermögen
Die Verbesserung der Tanzgruppe war signifikant grösser als jene der Kontrollgruppe.
t(32) = 2.00, p < .05

Problemlösefähigkeiten (Fluide Intelligenz)
Die Tanzgruppe verbesserte sich signifikant (t(14) = 1.87, p = .04), die Kontrollgruppe aber nur unbedeutend (p > .05).

5.2. Verbesserung des Körperkonzepts

Körperkonzeptskala total (Gesundheit, Sport, Selbstakzeptanz)
Die Verbesserung der Tanzgruppe war signifikant grösser als jene der Kontrollgruppe.
t(31) = 1.82, p < .05

Körperliche Selbstakzeptanz
Die Verbesserung der Tanzgruppe war signifikant grösser als jene der Kontrollgruppe.
t(31) = 1.83, p < .05

Detailliertere Angaben sowie Graphiken der wichtigsten Resultate finden Sie hier

6. Konklusionen

Die Resultate der Studie weisen darauf hin, dass eine 4-wöchige, professionell angeleitete Tanzintervention einen positiven Effekt auf kognitive Fähigkeiten, nämlich das räumliche Vorstellungsvermögen und das Problemlösen (Mass für fluide Intelligenz), sowie auf das körperliche Selbstkonzept, die Selbstakzeptanz im Speziellen, von Primarschülern und -schülerinnen ausübt.

7. Implikationen

Tanzinterventionen scheinen sich als wichtige und wertvolle Ergänzung/Bereicherung im Schulunterricht zu eignen. Da sie höhere kognitive Fähigkeiten, welche prediktiv für gutes Lernen und schulischen Erfolg sind, sowie körperliche Selbstakzeptanz fördern, können solche Interventionen als ressourcenfördernde  Unterrichtseinheiten eingesetzt werden.

 

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