Eigene Forschungsarbeiten

Effekte einer Tanzintervention
auf kognitive Fähigkeiten und Körperempfinden von Kindern

 

B. Züger & B. Studer


Eine Tanzintervention fördert das räumliche Vorstellungsvermögen, die Problemlosefähigkeit (Mass für Fluide Intelligenz) sowie das köperliche Selbstkonzept von Kindern.

 


2. Studiendesign
Quasi-experimentelles Design; die Intervention wurde im natürlichen Schulalltag integriert. Einteilung der Klassen in 2 Gruppen:
- Experimentalgruppe: Absolvieren einer vierwöchigen Tanzintervention, welche von einer erfahrenen Tanztherapeutin durchgeführt wird.
- Kontrollgruppe: Keine zusätzlichen Unterrichtseinheiten.
Um mögliche Effekte der Tanzintervention zu messen, wurde vor und nach den Interventionen eine Batterie von Tests durchgeführt.


3. Testbatterie
Die Testbatterie für die Pre- & Postevaluation umfasste folgende Aufgaben:
• Fluide Intelligenz: Raven’s Standard Progressive Matrices (SPM)
• Körperempfinden: Frankfurter Körperkonzeptskala (FKKS)
- Gesundheit und körperliches Befinden (SGKB) - Körperliche Effizienz (SKEF)
- Selbstakzeptanz des Körpers (SSAK)
• Vorstellungsvermögen: Intelligenz-Struktur-Test (IST 70)


4. Intervention
Es wurden acht Bewegungsinterventionseinheiten à 45 Minuten zusammengestellt. Diese wurden zweimal pro Woche während vier Wochen mit der Schulklasse durchgeführt.
Die Bewegungsinterventionen beinhalteten Aufgaben zur Körperwahrnehmung in Bezug auf Körperteile und Atembeobachtung, zur Bewegung im Raum wie vorwärts, rückwärts, hoch tief und seitlich, sowie zu Bewegungseigenschaften wie kräftig, zart schnell und langsam. Ein weiterer Bereich der Interventionen bezog sich auf die Ausführung von Bewegung alleine und in der Gruppe, was Gruppenempfinden und Selbstbezug ansprach. Den Kindern wurden keine Bewegungen vorgemacht, sie mussten diese aus der eigenen Vorstellung selber finden oder in Gruppen miteinander erarbeiten.
Die ausführlichen Erläuterungen zu den Interventionen finden Sie im Anhang1.


5. Zusammenfassung der Resultate
Die Kinder der „Tanzinterventions-Gruppe“ verbesserten sich bedeutend stärker im räumlichen Vorstellungsvermögen, in der Problemlösefähigkeit sowie in dem eigenen Körperkonzept im Vergleich zur Kontrollgruppe.

5.1. Verbesserung von kognitiven Fähigkeiten
Räumliche Vorstellungsvermögen
Die Verbesserung der Tanzgruppe war signifikant grösser als jene der Kontrollgruppe.
t(32) = 2.00, p < .05
Problemlösefähigkeiten (Fluide Intelligenz)
Die Tanzgruppe verbesserte sich signifikant (t(14) = 1.87, p = .04), die Kontrollgruppe aber nur unbedeutend (p > .05).

5.2. Verbesserung des Körperkonzepts
Körperkonzeptskala total (Gesundheit, Sport, Selbstakzeptanz)
Die Verbesserung der Tanzgruppe war signifikant grösser als jene der Kontrollgruppe. t(31) = 1.82, p < .05
Körperliche Selbstakzeptanz
Die Verbesserung der Tanzgruppe war signifikant grösser als jene der Kontrollgruppe. t(31) = 1.83, p < .05
Detailliertere Angaben sowie Graphiken der wichtigsten Resultate finden Sie im Anhang2.


6. Konklusionen
Die Resultate der Studie weisen darauf hin, dass eine 4-wöchige, professionell angeleitete Tanzintervention einen positiven Effekt auf kognitive Fähigkeiten, nämlich das räumliche Vorstellungsvermögen und das Problemlösen (Mass für fluide Intelligenz), sowie auf das körperliche Selbstkonzept, die Selbstakzeptanz im Speziellen, von Primarschülern und -schülerinnen ausübt.


7. Implikationen
Tanzinterventionen scheinen sich als wichtige und wertvolle Ergänzung/Bereicherung im Schulunterricht zu eignen. Da sie höhere kognitive Fähigkeiten, welche prediktiv für gutes Lernen und schulischen Erfolg sind, sowie körperliche Selbstakzeptanz fördern, können solche Interventionen als ressourcenfördernde Unterrichtseinheiten eingesetzt werden.

 

Anhang 1

Anhang 2

 

Kontakt